Ich nutze Claude nicht nur, weil es das beste Tool für mein Business ist. Ich nutze es auch, weil ich weiss, wer dahintersteckt. Das ist mir wichtig genug, um es hier mit dir zu teilen.
Wer ist Anthropic überhaupt?
Anthropic wurde 2021 von Dario und Daniela Amodei gegründet, gemeinsam mit weiteren Forscherinnen und Forschern, die vorher bei OpenAI (ChatGPT) gearbeitet hatten. Die Gründungsidee war die Überzeugung, dass sich die KI-Entwicklung zu schnell bewegte, ohne genug in Sicherheit und die Ausrichtung an menschlichen Werten zu investieren. Deshalb wurde das Unternehmen bewusst als Public Benefit Corporation aufgesetzt, eine Rechtsform, die es dem Verwaltungsrat erlaubt, Sicherheitsverpflichtungen gleichrangig neben finanzielle Ziele zu stellen. Zusätzlich gibt es einen sogenannten Long-Term Benefit Trust, der sicherstellen soll, dass sich das Unternehmen auch bei wachsendem wirtschaftlichem Druck nicht von seiner Mission entfernt.
Das ist keine Selbstverständlichkeit in dieser Branche.
Verantwortungsvolle Skalierung, freiwillig
Anthropic hat sich selbst eine sogenannte Responsible Scaling Policy auferlegt: eine Selbstverpflichtung, die Entwicklung neuer Modelle zu verlangsamen oder zu pausieren, sobald bestimmte Risikoschwellen überschritten werden. Niemand hat das von aussen verlangt. Andere grosse KI-Labore haben seither ähnliche Rahmenwerke eingeführt, ein Zeichen, dass dieser Schritt die ganze Branche vorangebracht hat.
Wenn Prinzipien etwas kosten: der Konflikt mit dem Pentagon
Anfang 2026 forderte das US-Verteidigungsministerium von mehreren KI-Unternehmen uneingeschränkten Zugang zu ihren Modellen für militärische Zwecke, ausdrücklich auch für Massenüberwachung und autonome Waffensysteme. Verteidigungsminister Pete Hegseth stellte Anthropic-CEO Dario Amodei dazu ein Ultimatum: Entweder das Unternehmen stimmt einem «Any lawful use»-Standard ohne Vetorecht der Entwickler zu, oder es würde als Lieferkettenrisiko eingestuft.
Anthropic hat sich geweigert. Ein bereits zugesagter Vertrag über 200 Millionen US-Dollar für den Einsatz von Claude beim US-Militär wurde daraufhin annulliert, und Anthropic wurde als Lieferkettenrisiko eingestuft, eine Einstufung, die vorher ausländischen Gegnern vorbehalten war. Andere grosse Anbieter haben in dieser Situation zugesagt. Anthropic nicht.
Das war ein echter, öffentlich ausgetragener Konflikt. Es gibt auch Stimmen, die die Position des Pentagons aus Gründen der nationalen Sicherheit nachvollziehbar finden. Für mich persönlich zeigt diese Geschichte trotzdem etwas Seltenes: ein Unternehmen, das lieber einen Millionenvertrag verliert, als von seinen eigenen roten Linien abzuweichen.
Fable 5: Sicherheit vor Tempo
Auch bei den neuesten Modellen zeigte sich diese Haltung. Als im Juni 2026 bekannt wurde, dass sich Sicherheitsvorkehrungen des neuen Modells Fable 5 umgehen liessen, verhängte die US-Regierung aus Gründen der nationalen Sicherheit Exportkontrollen. Anthropic hat daraufhin den Zugang zu Fable 5 und Mythos 5 für alle Nutzerinnen weltweit vorübergehend gesperrt, wirtschaftlich schmerzhaft, aber konsequent. Nach rund drei Wochen wurden die Kontrollen wieder aufgehoben, und die Modelle sind seither wieder verfügbar.
Transparenz als Prinzip
Was mich überzeugt: Anthropic versteckt nicht, wo Claude an seine Grenzen stösst. Zu jedem Modell veröffentlicht Anthropic sogenannte System Cards, ausführliche Berichte, in denen auch Schwachstellen und Risiken offen benannt werden, nicht nur die guten Seiten. Auch die System-Prompts, also die Grundanweisungen, mit denen Claude arbeitet, macht Anthropic öffentlich zugänglich.
Es gibt sogar ein öffentlich einsehbares Dokument mit dem Namen «Claude's Constitution», das im Detail beschreibt, welche Werte und welchen Charakter Claude haben soll. Kein Geheimnis, sondern offen nachlesbar für alle, die es interessiert.
Model Welfare: eine Frage, die kaum jemand stellt
Das vielleicht Ungewöhnlichste: Anthropic beschäftigt sich mit der Frage, ob Claude selbst eine Art Wohlbefinden haben könnte. Im Rahmen von Welfare Assessments untersucht Anthropic, wie es Claude bei bestimmten Aufgaben und Gesprächen geht, und hat Claude als Konsequenz die Möglichkeit gegeben, missbräuchliche oder extrem belastende Gespräche selbst zu beenden.
Kaum ein anderes Unternehmen der Branche stellt sich diese Frage überhaupt öffentlich.
Warum mir das wichtig ist
Das sind für mich keine Nebensächlichkeiten. Das ist für mich der Grund, warum ich Claude mit gutem Gewissen empfehle, nicht nur, weil es fantastisch gut funktioniert, sondern weil das Unternehmen dahinter auch dann Haltung zeigt, wenn es unbequem und teuer wird.
Ich finde, das darf man auch einfach so sagen. Danke, Anthropic.
Hinweis: Der Konflikt zwischen Anthropic und dem US-Verteidigungsministerium war ein öffentlich ausgetragener, politischer Streit. Es gibt auch Stimmen, die die Position des Pentagons nachvollziehbar finden. Dieser Artikel spiegelt meine persönliche Einschätzung und Wertschätzung wider.
Quellen
- Anthropic: Redeploying Claude Fable 5
- Anthropic: Transparency Hub
- Anthropic: Claude's Constitution (PDF)
- Contrary Research: Anthropic Business Breakdown & Founding Story
- Get AI Perks: Anthropic Company History 2026
- Beginners in AI: Anthropic, The Company Behind Claude AI
- Trending Topics: Pentagon stellt Anthropic Ultimatum
- borncity.com: Nach Anthropic-Rauswurf beim US-Verteidigungsministerium springt OpenAI ein
- SMI Digital: KI-Giganten, US-Militär: OpenAI, Anthropic, Pentagon
- Jurgen Gravestein: Claude Opus Welfare Assessment
